Der schlimmste Moment war, als ich eine Handvoll Erdnüsse auf meinen Mann und unser Baby schmiss. Mein Kopf hatte für einen kurzen Moment ausgesetzt. Ich stand meinem Mann gegenüber, er schrie mich an, ich schrie ihn an. Auf seinem Arm unser Baby, ein paar Monate alt, es schrie ebenfalls. Ich wollte nur noch weg, fühlte mich gefangen. Andererseits wollte ich, dass er mich in den Arm nimmt. Dass unser Baby nicht mehr weint. Ich wollte einfach nur, dass alles wieder gut wird. Neben mir, auf dem Tisch, eine Schale Nüsse. Voller Verzweiflung griff ich hinein und schmiss einige Nüsse in ihre Richtung. Gottseidank traf ich niemanden – ich hatte im letzten Moment an beiden vorbei gezielt. Aber der Schock saß tief. Und der Hilferuf war klar und deutlich. Das ist der Moment, in dem manche Eltern ihr Baby schütteln, dachte ich. Gottseidank habe ich es nicht getan. Und: Wir brauchen Hilfe.
Hinter uns lagen Wochen, Monate der Verzweiflung. Wir waren komplett ausgepowert, hatten Schlafentzug, kaum Zeit zum Essen oder Duschen und vor allem niemanden, der uns hilft. Unser Kind fing zwei Wochen nach seiner Geburt an zu schreien. Wir konnten es nie ablegen. Für alles mussten wir uns abwechseln. Begleitet wurden wir von Vorwürfen aus dem Familien- und Bekanntenkreis: Wir sollten uns mal entspannen, dann entspanne sich auch das Baby.
In der SchreiBabyAmbulanz bekam ich schnell einen Termin. Paula Diederichs merkte schon am Telefon, wie schlecht es mir ging. Sie stärkte mich und meinen Mann in der Bindung mit unserem Baby und half unserem Kind, zur Ruhe zu finden. Zusätzlich kümmerte sich Claudia Theil um meine seelische Gesundung. Mein Partner und ich waren in unserer Schreibaby-Zeit kurz vor der Trennung. Mittlerweile haben wir geheiratet und sogar ein zweites Kind bekommen. Ohne Paula und Claudia hätten wir uns das niemals getraut. Unser zweites Kind ist kein Schreibaby.

